Wie ein kleiner Schwede für Momente die Welt anhält
Manchmal, ganz selten gibt es sie. Diese Platten, die uns hinterrücks
aus dem stressigen Alltagssattel kippen und nicht mehr loslassen wollen. Sie
hängen im Raum, zwingen einem ihren eigenen, gemächlich pochenden
Herzschlag auf. Meist sind es kleine Singer/ Songwriter-Veröffentlichungen
- nicht marktschreierisch beworben, in wenigen Läden zu finden, auf Indie-Labels
veröffentlicht. Und fast immer verlangen sie anfangs durchaus ein bisschen
mehr Liebe und Hingabe vom Hörer. Und jetzt haben wir - aus dem Nichts
quasi - John Alexander Ericson. Vier Jahre ist es mittlerweile her, dass der
Sänger der Leisetreter The Northern Territories in seiner Heimatstadt Uppsala
sowie im Berliner Exil begann, an einem Solodebüt zu basteln. Eine halbe
Ewigkeit. Und ein Zeitgefühl, das sich kreuz und quer durch Ericsons spartanische,
gemächlich dahintreibende "Songs For Quiet Souls" (Rosegarden/Soulfood)
zieht: Untermalt von einer stimmigen Mixtur aus traditionellen Instrumenten
wie Klavier, Akustikgitarre und Streichern, Synthesizer-Space, digitaler Effekt-Weite
und begleitet von den verträumten Backgroundstimmen der geistesverwandten
Barbara Morgenstern, Suzy van der Meer und Lisa Veit, geht es in Melancholie-getränkten
Kleinoden wie "In Orbit Around Another Star", "Too Cold To Kiss"
oder dem dynamisch sich steigernden "A World You Never Reach" um den
Wunsch nach Entschleunigung inmitten einer ausufernden Welt. Um die Sehnsucht
nach endloser Liebe, wo doch jeder auf sich gestellt ist. Unerreichbar. Ein
Abtauchen in ozeanische Tiefen, bei dem der Schwede meist, ähnlich den
Isländern Sigur Ròs, auf rhythmische Begleitung verzichtet. "You're
cyanide, sharp white steel / but I can see through you, each and every time",
haucht Ericson. Schwebend, kristallin, von ätherischer Zeitlosigkeit.
tip-Wertung: Hörenswert
von Patrick Grossmann
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