Erdrückend viel Platz
Der Lichtkegel kreist über das Gelände, über die entrückte
Landschaft, und hält manchmal einen Moment inne, bei dem schmalen Jungen,
dem die Strähnen ins Gesicht hängen. Er sitzt dort mit Gitarre, Synthesizer,
und blinzelt ins Licht. Seine Stimme quält sich durch die Songs, die er
immer schon einmal fixieren wollte. Jetzt hat der Wahlberliner und anscheinend
auch fanatische Großstadtjünger, sein erstes Soloalbum heraus gebracht.
John Alexander Ericson sieht sich als Mix aus Sigur Ros und Leonard Cohen.
Viel Atmosphäre haben die Lieder auf Songs For Quiet Souls schon. Episch-ausladende
Synthies, kalte Klaviere, mit schmelzenden Melodien, und elfengleiche Backgroundsängerinnen.
John Alexander Ericson erfüllt sich seinen Traum: dem Weltschmerz Töne
abzugewinnen. Es gibt viel Winter, viel Dunkelheit, viel Orbit. Ein Flug über
verlassene Bahngleise, im Hintergrund die Großstadt bei Nacht. Urbane
Impulse, Zapfsäulen des Selbstmitleid die Songs fächern sich
in stimmungsvolle Effekte auf und sehnen sich nach Leichtigkeit, biegen sich
förmlich zur Nachtruhe hin, schrappen am Kitsch vorbei, meistens zumindest.
Der Songwriter lässt seine Stimme nur zögerlich auf die Songs, es
muss kratzen, nölig klingen.
Das Ergebnis fällt zwiespältig aus. Einerseits fügt sich die
Mischung aus Vangelis-Leichtigkeit und Raz Ohara-Klangkunst wundersam in den
Seelenkummer ein, andererseits nervt der Pathos des hageren Skandinaviers langfristig
gesehen schon. Da hilft auch nicht Barbara Morgenstern, die sich ein Gastspiel
gibt. Die lyrische Seite des Musikers beglückt aber dennoch mit einigen
schönen Sätzen und die opulente Atmosphäre seiner Space-Sounds
wirkt tröpfchenweise recht beruhigend. So gesehen nistet sich das Album
bei manch einem der Jean Michel Jarre schon immer mal mit Vincent Gallo kreuzen
wollte gut ins abendliche Programm ein. Andere werden wiederum feststellen,
dass Leonard Cohen und Sigur Ros immer noch ungeschlagen sind.
Redaktionswertung: 6/10
von Simon Runkel
|